Traditionen bewahren: Das Baaber Reusenfest 2015

Das Örtchen Baabe auf Rügen ist ein idyllischer Fischerort, der einmal jährlich auf besondere Weise auf seine Wurzeln blickt. Dann nämlich, wenn Einheimische und Urlauber zum Baaber Reusenfest geladen werden.

Für alle Menschen aus dem Binnenland: Was sind Reusen eigentlich?

Früher wie heute wurden Fische mit Reusen gefangen. Es handelt sich dabei um eine Fangtechnik in der Binnenfischerei. Reusen sind kegelförmige Schläuche aus Netz, die bis auf den Boden des jeweiligen Gewässers reichen. Fische, die gefangen werden sollen, werden von den Fischern vom Boot aus in Richtung dieser Reusen getrieben und zu deren Eingang geleitet. Die Fische sammeln sich in den jeweiligen Fangkammern der Reusen, von wo aus sie nicht wieder zurückgelangen. Auf diese Weise können fast alle hiesigen Fischarten gefangen werden.

Ein Fest zu Ehren einer alten Tradition

Das Baaber Reusenfest geht zurück auf eine alte Tradition. Zu früheren Zeiten wurden neue Reusen, bevor sie ihren ersten Einsatz im Fischfang hatten, zunächst an Land aufgebaut. Die Fischer überprüften minutiös, ob die Netze in Ordnung waren und keine Löcher hatten. Je nach Reusenplatz bekam jedes dieser Fangnetze einen eigenen Namen. Sie wurden meist benannt nach einer Sehenswürdigkeit oder einem charakteristischen Detail des Ortes. So gab es zum Beispiel die Buskamreuse nach dem Stein Buskam im Ostseebad Göhren, die Strandreuse benannt nach dem Baaber Strand und die Kliffreuse, die ihren Namen vom Kliff zwischen Baabe und Sellin erhielt.

Den Aufbau der Reusen ließen sich die Fischer und deren Familien nicht entgehen und kamen derweil zu einem kleinen, geselligen Umtrunk zusammen, der sich Reusenball nannte.

Heute hat man diese Tradition des Reusenaufbaus an Land aufgegeben, weil die damaligen Naturfasern wesentlich anfälliger waren als die heutigen aus Kunststoff. Das Reusenfest soll jedoch jedes Jahr zum Pfingstfest an diese Tradition erinnern.

Es findet vom 23. bis zum 24. Mai auf der Baaber Kulturbühne statt. Inmitten des Festplatzes wird eine große Reuse aufgestellt, um die herum getanzt werden darf. Rundherum stehen Buden, die die Gäste unter anderem mit Heringssalat und Fischbrötchen kulinarisch versorgen.