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Rügen - ganz früher

Rügen vor Christus 

Wahrscheinlich waren Rentierjäger die ersten Bewohner Rügens. Die ältesten Funde, die auf eine menschliche Besiedlung hinweisen, wurden im Garzer Moor Anfang des 20. Jahrhunderts gemacht. Erst in der Mittelsteinzeit (8.000 - 3.000 v. Chr.) befanden sich dauerhafte Ansiedlungen von Menschen auf Rügen, worauf Funde von Waffen und Werkzeugen aus Feuerstein in der Nähe von Lietzow hindeuten.
Aus der Jungsteinzeit (3.000 -1.800 v. Chr.) sind die ersten Begräbnisstätten in Form von gewaltigen Hügelgräbern erhalten. Aus umherziehenden Jägern und Sammlern sind nach und nach sesshafte Ackerbauern und Viehzüchter geworden. Funde von Schmuck, Waffen und Werkzeugen aus Bronze liessen sich auf die Zeit von 1.500 bis 600 v. Chr. zurückdatieren. Für den Schmuck in dieser Zeit wurde auch schon Bernstein verwendet. Bernstein war als Tauschobjekt sehr begehrt und wurde über die Bernsteinstraßen bis in den Mittelmeerraum verbreitet. In der Bronzezeit ging man dazu über, die Toten zu verbrennen und die Urnen in Hügelgräbern mit wertvollen Grabbeigaben zu bestatten. Während der Eisenzeit (600 v. Chr. - 100 n. Chr.) besiedelten die ostgermanischen Rugier die Insel. Gefunden wurde aus der Zeit u.a. römisches Kunsthandwerk, das durch Tauschhandel nach Rügengelangte. In der Zeit der Völkerwanderung wurden die Rugier vermutlich von slawischen Stämmen vertrieben und verließen die Insel. Was von ihnen bis heute geblieben ist, ist der Name der Insel: Rügen.

Die Ranen auf Rügen

Im 7. Jahrhundert besiedelten die slawischen Ranen die InselRügen. Sie betrieben neben dem Fischfang Ackerbau und Viehzucht und errichteten erste Befestigungsanlagen, Verwaltungsgebäude und Tempel. Als tüchtige Seefahrer trieben sie bereits im 9. Jahrhundert umfangreichen Handel mit den benachbarten Stämmen. Die ranische Bevölkerung konzentrierte sich in den Burgen auf Arkona, am Rugard und in Garz. Diese Burgen waren gleichzeitig Marktplatz, Tempel und Versammlungsstätte. Im 11. Jh. bildete sich bei den Ranen eine adelige Oberschicht heraus. Die größte Macht lag aber in den Händen der Priester. Wichtige Entscheidungen sowohl in religiösen als auch in weltlichen Fragen wurden mit Hilfe von Orakeln gefällt. Die höchste Instanz dieser Priesterschaft war der Hohepriester, mit Sitz in der Festung Arkona hatte. Hier befand sich auch das Hauptheiligtum der Ranen, ein monumentales, vierköpfiges Standbild von Svantevit, dem Gott des Friedens, der Fruchtbarkeit und des Überflusses. Vom 8. bis 12. Jh. verbreiteten die Ranen im Ostseeraum Angst und Schrecken und galten wegen ihrer blitzartigen Überfälle als gefürchtete Seeräuber. Vor allem dem Königreich Dänemark waren die Ranen ein Dorn im Auge. Unter dem Vorwand der Bekehrung zum Christentum unternahm der Dänenkönig Waldemar I. mit Unterstützung Heinrich des Löwen 1168 einen Feldzug gegen die Inselbewohner. Dieser Übermacht hatten die Ranen nichts entgegenzusetzen. Sie schworen ihren Göttern ab und wurden christianisiert, die Priester entmachtet und so die slawischen Fürsten gestärkt, die sich bereitwillig taufen ließen. Der Ranenfürst Jaromar I. erhielt die InselRügen vom dänischen König als Lehen und musste dafür aber den Treueeid leisten. Die Christianisierung schritt schnell voran und bereits 1180 wurde mit dem Bau der Marienkirche in Bergen begonnen. Etliche weitere Kirchen folgten, von denen viele bis heute erhalten geblieben sind.


Erst Fremde - dann Kurgäste

Die Insel Rügen unter fremder Herrschaft

Mit dem Sieg der Dänen über die Ranen in der Schlacht von Arkona 1168 stand Rügenunter dänischer Lehnsherrschaft. Auf das slawisch geprägte Siedlungsbild nahmen die Dänen keinen sichtbaren Einfluss, wohl aber die Zuwanderer aus dem Westfälischen, Niedersächsischen und Fränkischen, die ab dem 13. Jahrhundert auf Rügen nachgewiesen sind. Vom slawischen Adel wurden sie - wohl vor allem wegen ihrer Kenntnisse im Ackerbau - wohlwollend aufgenommen.
Mit dem Ende des  des slawischen Fürstenhauses Witzlaw III.1325, trat ein Erbvertrag mit deutschen Herzögen von Pommern-Wolgast in Kraft. Unter den nun regierenden Pommernfürsten nahm der staatsrechtliche Einfluss Dänemarks immer mehr ab, auch wenn die Dänen die Insel noch nicht aufgaben. Mit dem beginnenden 15. Jahrhundert verschwand durch den deutschen Einfluss auch die slawische Sprache, an die heute nur noch Ortsnamen mit Endung auf -itz, -in, -ow und -gast erinnern. Im 30-jährigen Krieg wurde Rügen mehrmals besetzt. Als das pommersche Fürstenhaus 1637 erlosch, hätte aufgrund eines Erbvertrages Pommern an Brandenburg fallen müssen, doch die letzten Eroberer Rügens, die Schweden, scherten sich nicht darum und gaben die Insel nicht mehr heraus. Im Westfälischen Frieden von 1648 wurde ihnen "Schwedisch-Pommern" samt Rügendann sogar offiziell zuerkannt. Preußen, das sich mit dieser Entscheidung nicht abfinden wollte, unternahm insgesamt drei erfolglose Versuche, den Schweden die Insel wieder zu entreißen - Rügen blieb bis Anfang des 19. Jahrhunderts schwedisch. Erst im Jahr 1815 gingRügen nach dem Beschluss des Wiener Kongresses über eine territoriale Neuordnung Europas an das Königreich Preußen.

Zunehmender Bäderverkehr

Bis ins 19. Jahrhundert lebten die Bewohner Rügens hauptsächlich vom Fischfang, vom Kartoffel- und Getreideanbau, der Rinder- und Schafzucht und vom Handel und Lotsentätigkeit. Nachdem Mitte des 18. Jahrhunderts die ersten Damen und Herren der feinen Gesellschaft zum Kuren nach Rügenkamen, gründete Wilhelm Malte I. zu Putbus 1816 Rügens erstes Seebad bei Lauterbach am Rügenschen Bodden. Etwa 1830 setzte mit einigen hundert Badegästen im Jahr der Fremdenverkehr ein, der sich zu der wichtigsten Erwerbsquellen Rügens entwickeln sollte. Zunächst mussten die Besucher mit Unterkünften in Fischer- und Bauernstuben vorlieb nehmen, bis schließlich 1869 das erste Hotel der Insel eröffnet wurde. Ende des 19. Jahrhunderts war Sassnitz das Seebad Nummer eins, aber auch Orte wie Binz, Lohme, und Thiessow entwickelten sich weiter. Aus den kleinen Fischerdörfern Göhren, Sellin und Baabe entwickelten sich Badeorte. Um mit dem wachsenden Besucherstrom fertig zu werden, wurde nach und nach die Infrastruktur der Insel verändert. Es wurde ein regelmäßiger Fährverkehr zwischen den Seebädern aufgenommen, bis 1891 wurde die Eisenbahnstrecke von Stralsund nach Bergen und Sassnitz verlängert. Parallel dazu entstand auf der Insel das Netz der Rügener Kleinbahn, das bis 1899 fertiggestellt wurde. 1913 entstand ein zusammenhängendes Netz an festen Straßen. Die zunehmenden Ansprüche der Bade- und Kurgäste wirkten sich auch auf die Struktur der Badeorte aus, die mit städtisch anmutenden Cafés, Restaurants, Geschäften und Hotels, mit geteerten Straßen und befestigten Wegen, mit Promenaden und Grünanlagen aufwarteten. Dadurch veränderten sich auch die Verdienstmöglichkeiten der Inselbewohner: Fischerei und Landwirtschaft gingen zurück - der Tourismus war das lohnendere Geschäft.


Krieg und SED

Rügen im 2. Weltkrieg und danach

In den 1920er und 1930er Jahren war Rügeneines der beliebtesten Reiseziele in Deutschland. 1936 fuhr der erste Zug über den gerade fertiggestellten Rügendamm, mit dem Bau der KdF-Ferienstadt Prora wurde begonnen. Vom zweiten Weltkrieg blieb Rügen bis kurz vor Kriegsende weitgehend verschont. Am 6. März 1945 erfolgte der einzige große Luftangriff der Alliierten auf die Insel, dem neben dem Hafen und vielen Häusern von Sassnitz fast 900 Menschen zum Opfer fielen. Am 2. Mai 1945 wurde der Rügendamm von einer deutschen Kommandoeinheit gesprengt. Der Fährverkehr zwischen Sassnitz und Schweden konnte erst 1948 wieder aufgenommen werden. Nach Kriegsende strömten Heimatvertriebene und Kriegsflüchtlinge nach Rügen. Noch 1950 war fast jeder Inselbewohner ein Heimatvertriebener. Direkt nach dem Krieg veranlasste die sowjetische Besatzungsmacht die Enteignung der Großgrundbesitzer, die über 60% der landwirtschaftlichen Fläche Rügens verfügten. Das Land wurde unter ansässigen Bauern und Landarbeitern aufgeteilt. Kurz danach wurde von staatlicher Seite Druck auf die Bauern ausgeübt, sich in Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, kurz LPGs, zusammenzuschließen. Da jedoch viele Bauern dazu nicht bereit waren, griff die SED 1960 zu härteren Mitteln und "zwangskollektivierte" die noch freien Bauern. Weiterhin wurden 1953 in der "Aktion Rose" unter Anführung fadenscheiniger Gründe die Hotel- und Pensionsbesitzer enteignet. Die meisten Häuser erhielt der DDR-Gewerkschaftsbund FDGB, die besten Hotels konfiszierte die SED unter Walter Ulbricht.

Tourismus in der DDR und seitdem

Zu DDR-Zeiten war ein Urlaubsplatz an der Ostsee und besonders auf Rügen sehr begehrt und oft nur nach längerer Wartezeit zu bekommen. Um möglichst vielen Bürgern einen Urlaubauf der beliebten Insel zu ermöglichen, wurden entlang der Küste zahlreiche, zumeist einfache, Unterkünfte wie Campingplätze, Kinder- und Jugendferieneinrichtungen oder Ferienheime geschaffen. In den 1970er Jahren entwickelte sich vor allem Binz zu einem FDGB Ferienort. Rein statistisch gesehen kam jeder Bürger der DDR etwa alle 10 Jahre einmal nach Rügen. Da hatte es die hohe SED-Elite schon besser. Sie erklärte kurzerhand die Insel Vilm zum Sperrgebiet und machte sie zu ihrer eigenen Urlaubsinsel. Darüber hinaus besaß das Zentralkomitee der SED ein Haus auf Hiddensee und ein weiteres in der Nähe von Binz.

Seit der Wiedervereinigung 1990 gehören Rügen, Hiddensee und Stralsund zu Mecklenburg-Vorpommern. Auf Rügen brach das bis dahin staatlich organisierte Erholungswesen fast völlig zusammen. Die meisten Ferien- bzw. FDGB-Heime, sowie Bungalowsiedlungen wurden geschlossen, verfielen und zum Teil erst nach Jahren privatisiert. Die Campingplätze wurden modernisiert, um neuen Qualitätsansprüchen gerecht werden. Gleichzeitig setzte ein Bauboom ein, der bis heute anhält. Überall entstanden neue Hotels und Pensionen, Appartementhäuser und Feriensiedlungen. Heute erstrahlt die Insel in einem neuem, einem weißen, Gewand. Nur noch sehr vereinzelt sieht man alte, nicht renovierte Häuser. Die Ostseebäder sind mit viel Liebe im Stil der Bäderarchitektur aufgebaut und bieten ein mondänes Flair und viel fürs Auge.

Dem Massentourismus der DDR-Zeit folgte nun eine neue Tourismuswelle. Spannungen zwischen Naturfreunden und einheimischen Umweltschützern einerseits und Bauspekulanten und Immobilienmaklern andererseits, blieben nicht aus. Dabei konnten die Naturschützer einige Erfolge verbuchen: 1991 wurde Südost-Rügen zum UNESCO-Biosphärenreservat erklärt, und im Jahr 2004 konnte das, in einem ehemaligen NVA-Gebäude eingerichtete, Nationalparkzentrum Königsstuhl eröffnet werden. Auch die Verkehrsanbindung Rügens wird immer besser. Nach der Fertigstellung der A20 und der Rügenanbindung können Reisende ca. 60 Minuten Fahrtzeit einsparen. Mit der neuen Strelasund-Brücke parallel zum Rügendamm gehört seit Sommer 2007 auch der letzte große Engpass der Vergangenheit an.