Rügens Entwicklung zur Urlaubsinsel
Rügen unter preußischer Herrschaft
Im Jahr 1815 ging die Insel Rügen nach einem Beschluss des Wiener Kongresses über eine territoriale Neuordnung Europas an das Königreich Preußen.
Bis ins 19. Jahrhundert lebten die Bewohner Rügens hauptsächlich vom Fischfang, vom Kartoffel- und Getreideanbau, sowie von der Rinder- und Schafzucht. Nachdem schon Mitte des 18. Jahrhunderts die ersten Damen und Herren der Gesellschaft zum Kuren nach Rügen kamen, gründete Wilhelm Malte I. zu Putbus 1816 Rügens erstes Seebad bei Lauterbach am Rügenschen Bodden. Etwa 1830 setzte mit einigen hundert Badegästen im Jahr der Fremdenverkehr ein, der sich zu einer der wichtigsten Erwerbsquellen Rügens entwickeln sollte. Zunächst mussten die Besucher mit Unterkünften in Fischer- und Bauernstuben vorlieb nehmen, bis schließlich 1869 das erste Hotel der Insel eröffnet wurde.
Ende des 19. Jahrhunderts war Sassnitz das Modebad Nummer eins, aber auch Binz, Göhren, Lohme, Breege, Sellin, Thiessow und Baabe entwickelten sich von Fischerdörfern zu Badeorten. Um mit dem wachsenden Besucherstrom fertig zu werden, wurde nach und nach die Infrastruktur verbessert. Es wurde ein Fährverkehr aufgenommen, bis 1913 entstand ein zusammenhängendes Netz an festen Straßen, bis 1891 wurde die Eisenbahnstrecke von Stralsund nach Bergen und Sassnitz verlängert. Parallel entstand auf der Insel das Netz der Rügener Kleinbahn, das bis 1899 fertiggestellt wurde.
Die zunehmenden Ansprüche der Bade- und Kurgäste wirkten sich auch auf die Struktur der Badeorte aus, die mit städtisch anmutenden Cafés, Restaurants, Geschäften und Hotels, mit geteerten Straßen und befestigten Wegen, mit Promenaden und Grünanlagen aufwarteten. Dadurch veränderten sich auch die Verdienstmöglichkeiten der Inselbewohner: Fischerei und Landwirtschaft gingen zurück - der Tourismus war ein lohnenderes Geschäft.
Rügen im Nationalsozialismus
Auch in den 1920er und 1930er Jahren war Rügen eines der beliebtesten Reiseziele in Deutschland. 1936 fuhr der erste Zug über den gerade fertiggestellten Rügendamm, ebenso wurde mit dem Bau der nie vollendeten KdF-Ferienstadt Prora begonnen.
Vom zweiten Weltkrieg blieb Rügen bis kurz vor Kriegsende weitgehend verschont. Am 6. März 1945 erfolgte der einzige große Luftangriff der Alliierten auf die Insel, dem neben dem Hafen und vielen Häusern von Sassnitz fast 900 Menschen zum Opfer fielen. Am 2. Mai 1945 wurde der Rügendamm von einer deutschen Kommandoeinheit gesprengt. Der Fährverkehr zwischen Sassnitz und Schweden konnte erst 1948 wieder aufgenommen werden.
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