Die Ranen auf Rügen
Vom 7. Jahrhundert an besiedelten die slawischen Ranen die Insel Rügen. Sie betrieben neben dem Fischfang Ackerbau und Viehzucht und errichteten Befestigungsanlagen, Verwaltungsgebäude und Tempel. Als tüchtige Seefahrer trieben sie bereits im 9. Jahrhundert umfangreichen Handel mit den benachbarten Stämmen.
Das Zentrum der ranischen Bevölkerung waren die Burgen in Arkona, Rugard und Garz. Die Burgen fungierten auch als Marktplatz, Tempel und Versammlungsstätte.
Im 11. Jahrhundert bildete sich bei den Ranen eine adelige Oberschicht heraus, doch die größte Macht lag in den Händen der Priester. Wichtige Entscheidungen sowohl in religiösen als auch in weltlichen Fragen wurden mit Hilfe von Orakeln gefällt. Die höchste Instanz der Priesterschaft war der Oberpriester, der seinen Sitz in der Festung Arkona hatte. Dort befand sich auch das Hauptheiligtum der Ranen, ein monumentales, vierköpfiges Standbild von Svantevit, dem Gott des Friedens, der Fruchtbarkeit und des Überflusses.
Christianisierung Rügens
Vom 8. bis 12. Jahrhundert verbreiteten die Ranen im Ostseeraum Angst und Schrecken und galten wegen ihrer blitzartigen Überfälle als gefürchtete Seeräuber. Vor allem dem Königreich Dänemark waren die Ranen ein Dorn im Auge. Unter dem Vorwand der Bekehrung zum Christentum unternahm der Dänenkönig Waldemar I. mit Unterstützung Heinrich des Löwen 1168 einen Feldzug gegen die slawischen Inselbewohner. Dieser Übermacht hatten die Ranen nichts entgegenzusetzen. Sie schworen ihren Göttern ab und wurden christianisiert.
Die Priester wurden entmachtet und dadurch die slawischen Fürsten gestärkt, die sich bereitwillig taufen ließen. Der Ranenfürst Jaromar I. erhielt die Insel Rügen von Dänemark als Lehen und musste dafür dem dänischen König den Treueeid leisten. Die Christianisierung schritt schnell voran und bereits 1180 wurde mit dem Bau der Marienkirche in Bergen begonnen. Etliche weitere Kirchen folgten, von denen viele bis heute erhalten geblieben sind.
